Sitzt, aber passt nicht

Wir sind gerade an einem Puzzle dran. 4000 Teile. Auf dem Bild ist ein kleiner Ausschnitt davon. Du siehst, das Puzzle passt eigentlich rein und ist doch nicht am richtigen Platz. Das ist uns bei dem Puzzle schon öfter so gegangen. Das Puzzle – Teil sitzt, aber passt nicht. Das Teil wird definitiv gebraucht, denn nur so ist das gesamte Bild vollständig, aber es gehört nicht dorthin. Wenn wir nun überlegen, was wir machen, na klar, wir nehmen das Puzzle raus und warten, pronieren weiter, bis wir es an den richtigen Platz stecken können, dort wo der Umriss und das Bild stimmt. 

Ich rede immer wieder mit Menschen, die sich fehl am Platz fühlen und sich fragen, ob das so stimmt, wo sie sind, was sie machen und wie sie es machen – manchmal stellen sie sogar ihre gesamte Identität in Frage. Wer bin ich und was mache ich eigentlich hier? 

Es gibt Situationen, von denen lassen wir uns verunsichern und durch diese Verunsicherung, sei es, weil wir diese Situation noch nicht kennen, weil wir Anforderungen spüren, die wir eigentlich nicht erfüllen wollen, weil wir uns alles anders vorgestellt haben oder oder oder…

Weisst du, was ich meine?

Und wenn wir zwar wissen, was wir mit einem Puzzle machen, wenn es fehl am Platz ist, wissen wir manchmal nicht, was für uns die Lösung sein könnte.

Ich denke der erste Schritt ist, zu schauen, was denn nicht passt? Was stimmt gerade nicht in meiner Situation? 

Nimm dir Papier und Stift, schreib auf, wo du stehst und wo du gerade aneckst, nicht ins Bild passt?

Welche Situationen/ Umstände sind es genau?

Arbeit, Schule, Gemeinde, Wohnsituation, Familie, ein Kind ist dazu gekommen, du hast geheiratet, hast dich getrennt, Freunde sind weg gezogen, kein Auto mehr…

Was genau scheint gerade unpassend?

  • Anforderungen, die du an dich stellst,
  • Erwartungen anderer
  • Das Wetter tut dir nicht gut
  • Die Wohnung ist zu klein für eure Familie
  • Die Nachbarn streiten ständig mit dir
  • Der Arbeitsweg ist zu lang
  • Deine Kinder sind nicht so, wie du es dir vorstellst
  • Dein Partner hat sich verändert
  • Das sind Beispiele, schreib alles auf, was dir einfällt. 
  • Wo kannst du bei dir beobachten, dass du dich verändert hast?
  • Das kann auch darauf Einfluss haben, wie du dich in einer Situation fühlst!
  • Dein Körper hat sich verändert, dünner, dicker, beweglicher, unbeweglicher

Deine Einstellungen haben sich verändert: du hinterfragst Dinge, die dir bisher nicht wichtig waren, du findest bestimmte Dinge nicht mehr selbstverständlich, du erträgst manches nicht mehr, obwohl es dir früher nichts ausgemacht hat

Deine Empfindungen haben sich geändert:

  • Du fühlst intensiver, weniger intensiv…Nähe/Distanz, Schuld, Angst, Freude, Sehnsucht
  • Dich stören plötzlich Lärm, Gerüche.
  • Du brauchst mehr oder weniger Zeit für bestimmte Dinge.
  • Dir machen bestimmte Dinge keine Freude mehr, die du bisher gern gemacht hast oder einfach gemacht hast, weil du eben musstest.
  • Du merkst, dass es in der Regel nicht nur ein Bereich ist, der sich ändert und der dazu führen kann, dass wir uns fehl am Platz fühlen. 
  • Hast du ein paar Dinge notiert?

Ich hoffe, dass für dich nun konkreter ist, wo und unter welchen Umständen und warum du dich fehl am Platz fühlst. 

Die gute Nachricht ist, dass du damit ein allgemeines Unwohlsein herunter brechen kannst auf überschaubare Dinge. Und je überschaubarer die einzelnen Punkte, um so eher siehst du auch die Punkte, wo du zuerst Einfluss nehmen kannst. Nicht immer ist es nötig und möglich, wie beim Puzzle, den Ort neu zu suchen. Für uns ist es auch möglich uns neue Wege für veränderte Situationen zu suchen, neu zu formulieren, was uns wichtig ist und wie wir leben wollen, neu zu formulieren, wie sich unsere Prioritäten verschieben und was das konkret bedeutet.

Dieser Prozess fängt bei uns an. Wir dürfen lernen zu sagen, was wir eigentlich wollen/ brauchen und dann können wir das kommunizieren. Und erst dann kann unsere Umgebung darauf eingehen. Niemand hat etwas davon, wenn du unzufrieden bist und nicht sagst, um was es geht. Formuliere das, ich mache dir Mut. Auch wenn wir oft nicht die Verantwortung tragen für veränderte Umstände, so sind wir doch verantwortlich für unsere Reaktionen und das, was wir tun, wie wir kommunizieren und uns ausdrücken. 

In dem Sinne – wünsche ich dir mutige Schritte, deinen Platz neu zu suchen oder
umzugestalten.

Herzlich – Ria

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