Zum Inhalt springen

Der inneren Wahrnehmung wieder vertrauen lernen (2/2)

Letzte Woche haben wir angefangen uns mit dem Thema, wie sich das Vertrauen in die eigene Wahrnehmung verändert, wenn unsere Wahrnehmung immer wieder als Einbildung hingestellt wird.

Wenn wir das in einem Bereich immer wieder hören, dann hat es Einfluss auf andere Bereiche in unserem Leben. Wir fangen an, an unserer Fähigkeit der Wahrnehmung zu zweifeln.

Ein Beispiel ist, wenn dein Kind in der Schule etwas Schlechtes erlebt. Es traut sich aber nicht darüber zu reden und du nimmst etwas wahr, aber sagst nichts. Das kann sehr schwierig werden. Gerade unsere Kinder sind darauf angewiesen, dass wir sie zwischen den Zeilen lesen können. Auch damit sie lernen, klar zu formulieren, was ihnen passiert ist. Dazu brauchen sie unsere Ermutigung und unsere Hilfe.
Oder eine Freundin…du hast das Gefühl, dass es ihr nicht gut geht, aber da sie nichts sagt, sagst du auch nichts. Du bist unsicher, ob deine Wahrnehmung falsch ist oder ob sie dann das Gefühl hat, du unterstellst ihr etwas.

Verstehe mich nicht falsch, wir sind nicht dafür verantwortlich wortlos herauszufinden, wie es dem anderen geht. Aber wir sind verantwortlich für das Bauchgefühl, welches uns oft in die richtige Richtung schubst, auch wenn wir keine Ahnung haben, was das genau bedeutet.

Wie können wir das denn herausfinden?

Fragen, gib nicht auf zu fragen! Das ist wichtig. Natürlich nicht so, als wüsste man alles, sondern Raum lassend und dem anderen die Möglichkeit zu geben, uns zu erzählen, was los ist.
Aber ich kann doch nicht meinen Mann täglich fragen, ob er wieder Pornos geschaut hat. Du hast Recht, das ist in der Beziehung meistens nicht die beste Lösung. Oftmals ziehen sich die Männer dann zurück und dann hast du das Gegenteil erreicht. Dazu kannst du auch beim Thema Grenzen setzen in meinem Buch nachlesen. Eine hilfreiche Strategie sind festgesetzte Termine zum Reden, wenn er angefangen hat, ehrlich zu sein.

Was machen, wenn der Partner nicht ehrlich sein will?

Wenn er es noch nicht gesagt hat, dann können Konfrontationen/ Fragen hilfreich sein, aber nicht ständig. In erster Linie musst du dir überlegen, was du machst, um deine Gefühle zu teilen. Hier ist es wichtig, dass du jemanden hast, mit dem du reden kannst.

Wer kann dir helfen, wenn du mit deinem Partner nicht darüber reden kannst?
Zuerst darfst du dich selber ernst nehmen. Es ist wichtig, dass du annimmst, was du wahrnimmst und zum Beispiel in ein Tagebuch schreibst und nachher wieder – vielleicht sogar ganz konkret durch wegwerfen oder zerknüllen – loslässt.
Wenn du Christ bist, kann dir das Gebet helfen. Im Reden mit Gott hat alles Platz, Bibel lesen hilft auch, neue Impulse zu bekommen und unseren Fokus auf das zu richten, was Gott über uns sagt. Oft brauchen wir Menschen. Eine gute Freundin oder eine Seelsorgerin können viel auffangen.

Wichtig ist, dass du dich nicht verrückt machst, wenn du immer wieder das Gefühl hast, er macht etwas, was er dir verheimlicht. Vertraue deiner Wahrnehmung und lass sie wieder los. Über das Thema Loslassen schreibe ich in demnächst einen Artikel.

Wenn sich das länger hinzieht, dann formuliere auch mal, dass du dir nicht sicher bist, was du davon halten sollst, du hast das Gefühl, er verheimlicht dir etwas, aber du willst ihn auch nicht beschuldigen. Sag konkret, woran du das feststellst, wie zum Beispiel, das Handy wird schnell weggelegt, der Browser zugemacht, länger auf der Arbeit….mache den Vorschlag, regelmässig darüber zu sprechen, wie es ihm mit der Sucht geht und wie es dir geht. Eine Frau hat letztens erzählt, sie nennen es „Pornotalk“, manchmal gibt es mehr und manchmal weniger zu berichten.

Du kannst tatsächlich nicht mehr tun. Ein Süchtiger wird Ausreden (er)finden und parat haben. Bis der Punkt gekommen ist, dass er dir die Wahrheit sagt, können Jahre vergehen. 
Und die Vermutung bleibt und die nagt am Vertrauen zu deinem Partner.

Was tun:
Feststellen, ab und an etwas sagen und loslassen.
Reden – mit Gott, mit einer Freundin, Seelsorgerin
Gebet – Gemeinsam mit deinem Partner oder auch alleine
Bibel lesen
Für einen Perspektivwechsel: bitte Gott, dir seinen Blick auf deinen Mann zu zeigen
Lerne dich und dein Bauchgefühl wahrzunehmen, denn du brauchst es auch für andere wichtige Bereiche in deinem Leben. Du darfst dir vertrauen.

Teile diesen Beitrag

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert