Wie komme ich an das, was ich wirklich will?
…nein, das ist keine Anleitung zur Manipulation, sondern eine Ermutigung zum hinterfragen, was wir als gegeben hinnehmen.
Kennst du das: eigentlich solltest du doch in deinem Alter das und das können, schaffen, erledigen, keine Probleme mehr damit haben usw. Da sind riesige Ansprüche. Woher kommen die? Wenn wir uns das mal anschauen, werden wir stutzig. Oft kommen sie ja vom vergleichen, denn müsste, hätte, sollte hat immer mit vergleichen zu tun. Wie soll man sonst einen Wert haben, an dem man sich orientiert. Wie oft vergessen wir dabei unsere eigene Wahrnehmung und das, was UNS wirklich wichtig ist? Was wir in unserem Herzen wollen. Immer wieder kommen Menschen zu mir, die sortieren wollen. Viele leben in einer Verwirrung, in der sie selber nicht mehr heraus finden, was sie eigentlich wollen und welche Gedanken, Ansprüche von ihnen selber und welche von aussen sind.
Ein erfundenes Beispiel, wie ich es ähnlich immer wieder erlebe, zeigt, um was es geht:
Ich bin gerade wieder beim Judo meiner Söhne dabei…die Kids laufen alle in weiss herum, die Trainer auch. Die Gurtfarbe unterscheidet sich. Wenn Kinder die gleiche Gurtfarbe haben, dann heisst das, sie haben die gleiche Prüfung abgelegt. Aber eigentlich sagt es nichts über ihre Fähigkeit aus zu kämpfen, über ihr Wissen, über ihre Präsenz, ihren Willen zu lernen oder weiter zu kommen.
Gerade bin ich im Naturmuseum in Luzern – ich schaue einen Film über die Entstehung der Erde, ja des ganzen Universums. Aus Nichts und dem Urknall entsteht das gesamte Universum. Wie kann das sein?
Letztens war ich mit den Kids im Wald und habe das Feuer beobachtet, welches wir gemacht haben. Einmal ist es fast ausgegangen, nur die Glut war noch zu sehen, rot im immer dunkler werdenden Wald.
Heute hat mein Sohn voller Stolz einer Bekannten seine zwei Seiten im Matheheft gezeigt, die er selber erarbeitet hat (1.Klasse). So toll, es ging darum Zahlen auf verschiedene Arten darzustellen. Er musste 36 Felder ausfüllen. Davon waren zwei! Nicht richtig. Was denkst du, was die Bekannte sagt: Da Fehler!!! Autsch, das hat gesessen. Und mir ist sehr bewusst geworden, dass unsere Gesellschaft so funktioniert: wir schauen auf die Fehler. Da kommt ein 6- jähriger Junge, zeigt stolz seine Arbeit und 34 Felder sind richtig, aber wir sehen die zwei kleinen Fehler. Eigentlich hätte es heissen müssen richtig, richtig,
Wie oft ertappen wir uns im Vergleich mit anderen? Warum der und nicht ich, der hat Glück, die richtigen Beziehungen, die richtigen Umstände, genug Geld, den speziellen Segen, mehr Kraft, ist sportlicher, in der richtigen Gemeinde, hat studiert…sind wir mal ehrlich, es gibt hunderte von Beobachtungen, die begründen, warum der und nicht ich.
Meine Kinder haben einen Igel gefunden. Der hinkt auf einem Hinterbein, rollt sich meist zur Seite, statt einfach vorwärts zu gehen und gerade zu laufen, er kommt praktisch gar nicht vorwärts. Und die Katze vom Nachbar schleicht auch schon um ihn herum. Sie nehmen ihn mit nach Hause. Auf dem Tonband der Igelstation geben Sie Anweisungen, wie man dem Igel weiter helfen kann. Erstversorgung, wenn er krank aussieht zum Tierarzt. Wir gehen zum Tierarzt. Der findet, dass der Igel gelähmt ist und gibt ihm keine Chance, würde ihn einschläfern lassen….
Gerade vor ein paar Minuten ist ein Amseljunges aus dem Nest gehopst. Wir haben es seit einer Woche beobachtet, wie es sich mit deinen drei Geschwistern aus einem kleinen nackten Baby in einen Vogel, der wie eine Amsel aussieht, aber noch halb so gross ist wie die Mama, entwickelt. ( da jetzt schon Juli ist, ist es eh sehr spät für kleine Vögel) Und nun, oh Schreck ist es am Boden, aus ca 7 m Höhe. Das erste Wunder ist ja, dass es sicher unten angekommen ist. Es hopst durch den Hof und piepst, als ihm jemand zu nah kommt lässt es vor lauter Schreck einen Angstschiss hinter sich. Aber die Mama kommt, sieht es, füttert es und führt es aus dem Hof hinter das Haus. Dort fliegt sie immer wieder zu ihm hin und dann auf die Dachrinne, oder in einen Busch, wie als würde sie es ermutigen, doch zu fliegen. Der kleine Vogel sucht immer wieder Möglichkeiten, irgendwo drauf zu fliegen,
Sommer ist wunderbar, ich leibe es, die Sonnenblumenfelder zu sehen. Letztens bin ich wieder an einem vorbei gefahren. Und mittendrin ragte eine Sonnenblume heraus. Ich staunte nicht schlecht. Wie konnte diese sich halten? Sie war sicher 1 m höher als die anderen. Würde sie durch die anderen gestützt, dass sie nicht abknickte? Was könnte sie den anderen „berichten“ – aus ihrer Perspektive?