Frau, wo ist deine Grenze?

Letztens war ich mit dem Zug unterwegs. Ich beobachtete drei Situationen, die mir sehr zu denken gaben und mich inspiriert haben, hier darüber zu schreiben.
Auf dem Bahnhof wartete ich auf den Zug. Auf dem gegenüberliegenden Bahnsteig sass eine junge Frau. Sie fiel mir auf weil sie einen sehr kurzen Rock trug, die halbe Pobacke schaute raus. Da habe ich mir noch nicht so viel dabei gedacht. Kurz darauf kam offensichtlich eine Kollegin und brachte ihr eine Flasche Wasser. Da versuchte die Frau aufzustehen und fiel auf den Boden, die Beine knickten ihr Weg, als könnte sie sie nicht mehr beherrschen, dabei sah man, dass sie gar keine Unterhose trug. Die Kollegin half ihr auf und setzte sie wieder auf die Bank, beide lachten. Was ist die Geschichte dieser Frau?
Frau, wo ist deine Grenze?
In einem Park auf einer Bank sassen zwei Frauen….Frau, wo ist deine Grenze?
Letztens war ich in Konstanz. Wir gingen über eine lange Brücke und es begann ein Gewitter. Die Regenjacken lagen im Auto 😉 . Die ersten Tropfen waren noch erfrischend, aber der Wind wurde kühl und es begann bald fester zu regnen. Weit und breit kein Unterschlupf, nicht mal ein Baum…welcher ja bei einem Gewitter eh nicht zu empfehlen ist. Nach einer Weile kam die Zufahrt zu einem Hotel. Sah ziemlich nobel aus. Für die Autos gab es zum Vorfahren eine Überdachung vor dem Haupteingang. Ein Porsche stand davor, fehlte nur noch der rote Teppich. Ich dachte, jetzt kommt sicher jemand und schickt uns freundlichst weg, durchnässte Stadttouristen sind da sicher nicht erwünscht.
…nein, das ist keine Anleitung zur Manipulation, sondern eine Ermutigung zum hinterfragen, was wir als gegeben hinnehmen.
Ich bin gerade wieder beim Judo meiner Söhne dabei…die Kids laufen alle in weiss herum, die Trainer auch. Die Gurtfarbe unterscheidet sich. Wenn Kinder die gleiche Gurtfarbe haben, dann heisst das, sie haben die gleiche Prüfung abgelegt. Aber eigentlich sagt es nichts über ihre Fähigkeit aus zu kämpfen, über ihr Wissen, über ihre Präsenz, ihren Willen zu lernen oder weiter zu kommen.
Gerade bin ich im Naturmuseum in Luzern – ich schaue einen Film über die Entstehung der Erde, ja des ganzen Universums. Aus Nichts und dem Urknall entsteht das gesamte Universum. Wie kann das sein?
Letztens war ich mit den Kids im Wald und habe das Feuer beobachtet, welches wir gemacht haben. Einmal ist es fast ausgegangen, nur die Glut war noch zu sehen, rot im immer dunkler werdenden Wald.
Heute hat mein Sohn voller Stolz einer Bekannten seine zwei Seiten im Matheheft gezeigt, die er selber erarbeitet hat (1.Klasse). So toll, es ging darum Zahlen auf verschiedene Arten darzustellen. Er musste 36 Felder ausfüllen. Davon waren zwei! Nicht richtig. Was denkst du, was die Bekannte sagt: Da Fehler!!! Autsch, das hat gesessen. Und mir ist sehr bewusst geworden, dass unsere Gesellschaft so funktioniert: wir schauen auf die Fehler. Da kommt ein 6- jähriger Junge, zeigt stolz seine Arbeit und 34 Felder sind richtig, aber wir sehen die zwei kleinen Fehler. Eigentlich hätte es heissen müssen richtig, richtig,
Wie oft ertappen wir uns im Vergleich mit anderen? Warum der und nicht ich, der hat Glück, die richtigen Beziehungen, die richtigen Umstände, genug Geld, den speziellen Segen, mehr Kraft, ist sportlicher, in der richtigen Gemeinde, hat studiert…sind wir mal ehrlich, es gibt hunderte von Beobachtungen, die begründen, warum der und nicht ich.
Meine Kinder haben einen Igel gefunden. Der hinkt auf einem Hinterbein, rollt sich meist zur Seite, statt einfach vorwärts zu gehen und gerade zu laufen, er kommt praktisch gar nicht vorwärts. Und die Katze vom Nachbar schleicht auch schon um ihn herum. Sie nehmen ihn mit nach Hause. Auf dem Tonband der Igelstation geben Sie Anweisungen, wie man dem Igel weiter helfen kann. Erstversorgung, wenn er krank aussieht zum Tierarzt. Wir gehen zum Tierarzt. Der findet, dass der Igel gelähmt ist und gibt ihm keine Chance, würde ihn einschläfern lassen….